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Berichte März 2021

Radio Euskirchen, 01. März 2021

App Corhelper soll Leben retten

Im Kreis Euskirchen ist die Ersthelfer-App "Corhelper" vorgestellt worden. Mithilfe der App werden bei einem Herzstillstand registrierte Ersthelfer im Umkreis von 2,5 km alarmiert. Die werden dann von der App zum Patienten navigiert und bekommen Hilfestellung bei der Reanimation. Zum Beispiel durch einen Beat, der das Tempo der Herzdruckmassage vorgibt. So soll die Zeit bis zur Ankunft der Rettungskräfte überbrückt werden. Dadurch könnten im Kreis Euskirchen etwa 30 Menschen mehr pro Jahr gerettet werden, heißt es von den Verantwortlichen.

Wer als Ersthelfer mit der App aktiv werden möchte, muss mindestens 18 Jahre alt sein, einen gültigen Ersthelferschein besitzen und eine Einführung des Kreises in das Programm und Grundlagen der Herzdruckmassage mitgemacht haben.

Foto und Bericht: Annika Deist, Radio Euskirchen

Stellten Projekt und App vor:
Stellten Projekt und App vor: (v.l.) Leiter der Gefahrenabwehr Martin Fehrmann, Landrat Markus Ramers, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst Jesko Priewe
Wochenspiegel, 04. März 2021

App Corhelper soll Leben retten

Kreis Euskirchen. Rund 180 Menschen sterben im Kreis Euskirchen jährlich nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand. Diese Zahl will der Kreis künftig weiter reduzieren. Helfen soll dabei die »smartphonebasierte Ersthelferalarmierung«. Ab sofort können sich Ersthelfer registrieren.
In Deutschland sterben pro Jahr 60.000 Menschen an der »Volksseuche« Herz-Kreislauf-Stillstand. Im Kreis Euskirchen sind es jährlich rund 180 Menschen. Die Smartphone-App »Corhelper« soll dabei helfen die Zahl der Fälle mit tödlichem Ausgang zu senken.

Rettungsdienst ist gut aufgestellt

»Es geht uns dabei nicht um den professionellen Bereich, da sind wir im Kreis, unter anderem mit den Rettungsdiensten und dem Telenotarzt, sehr gut aufgestellt«, betont Martin Fehrmann, Leiter der Abteilung Gefahrenabwehr im Kreis Euskirchen. »Es geht uns um den Bereich der Rettungskette, der vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes steht«, betont Fehrmann und bezieht sich dabei auf die Personen, die Erste Hilfe leisten. Das Projekt »smartphonebasierte Ersthelferalarmierung bezieht sich dabei jedoch ausschließlich auf die sogenannte »Laienreanimation«, also die Herz-Lungen-Wiederbelebung mit Herzdruckmassage und Atemspende. »Unsere Rettungsdienste sind höchstmodern ausgestattet, nur haben wir den Bereich von Minute null bis acht nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand, in den letzten Jahren sträflich vernachlässigt. Hier müssen wir ran«, sagt Jesko Priewe, ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes im Kreis Euskirchen. Denn bereits nach drei Minuten ohne Herz-Lungen-Wiederbelebungsmaßnahmen treten aufgrund des Sauerstoffmangels irreparable Schäden im Gehirn auf.

Laienhelferquote muss gesteigert werden

Ziel müsse es daher vor allem sein, die Laienhelferquote zu verbessern. Die liege in Deutschland bei 40 Prozent. Das bedeutet in 40 Prozent der Fälle von Herz-Kreislauf-Stillstand, führt ein Ersthelfer Wiederbelebungsmaßnahmen durch. Dass man die Quote steigern könne, veranschaulicht Priewe am Beispiel von Dänemark. Hier habe die Ersthelferquote 2005 bei lediglich 28 Prozent gelegen, 14 Prozent der Patienten überlebten. Seit 2005 hat das skandinavische Land unter anderem verpflichtend Reanimationskurse in Schulen eingeführt. Ab der siebten Klasse lernen die Schüler in zwei Schulstunden jährlich, wie Herz-Lungen-Wiederbelebung funktioniert. Auch die Zahl der Laienreanimationskurse wurde erhöht. »2010 lag die Ersthelferquote in Dänemark bereits bei 70 Prozent«, erklärt Priewe. Die Zahl der Überlebenden sei auf 31 Prozent angestiegen. »In Deutschland könnten so 10.000 Patientinnen und Patienten mehr gerettet werden, das wären im Kreis Euskirchen 30 Menschen mehr«, sagt Priewe.

Verbessern will man die Versorgung unter anderem durch die smartphonebasierte Ersthelferalarmierung mit der App »Corhelper«. Die Funktionsweise ist einfach. Geht ein Notruf bei der Rettungsleitstelle ein, alarmiert diese den Rettungsdienst und zeitgleich per App die Ersthelfer in einem Umkreis von 100 Metern um den Patienten. Sollten sich keine Ersthelfer in der direkten Umgebung des Betroffenen befinden, wird der Radius automatisch vergrößert, bis auf 2,5 Kilometer. Wird ein registrierter Ersthelfer über sein Smartphone alarmiert, kann er die Anfrage annehmen, oder ablehnen, falls er verhindert ist. »Im Idealfall werden, sofern verfügbar, drei Ersthelfer zeitgleich alarmiert. Zwei davon werden zum Patienten geschickt, der dritte zum nächstgelegenen Defibrillator«, erklärt Priewe. Unter anderem verfügt die App über eine Funktion, die den Helfer zum Patienten lotsen kann, ein Metronom, welches den optimalen Takt bei der Herzdruckmassage vorgibt, und eine Uhr, die Auskunft über die Dauer der Wiederbelebungsmaßnahmen gibt. »Nach einem Einsatz kontaktieren wir außerdem die Helfer für eine Nachbesprechung. Schließlich kann ein solcher Einsatz auch belastend für den Helfer sein«, erklärt Priewe.

Wer das Projekt unterstützen möchte, muss mindestens 18 Jahre alt sein und über eine aktuelle Erste-Hilfe-Zertifizierung verfügen. Zudem gibt es eine jährliche Unterweisung durch den Träger, in dem unter anderem die Wiederbelebungsmaßnahmen und die Anwendung von Defibrillatoren thematisiert werden.

Nachdem man sich die App heruntergeladen und installiert hat, kann man sich registrieren und die entsprechenden Nachweise hochladen. Anschließend bekommt man eine Bestätigungsmail des Trägers und mögliche Termine für die jährliche Unterweisung.

Jetzt als Ersthelfer registrieren

»In der Pilotphase schalten wir zunächst nur medizinisches Personal frei. Danach jeden, der die Anforderungen erfüllt«, erklärt Jesko Priewe. Registrieren kann man sich jedoch bereits jetzt.

Wie wichtig das Projekt ist, weiß auch Landrat Markus Ramers: »Daher appelliere ich an die Menschen im Kreis sich möglichst zahlreich zu registrieren«, so der Landrat.

Die kostenlose App »Corhelper« kann im App-Store (Apple) beziehungsweise im Playstore (Android) heruntergeladen werden.

Bericht: fs, Wochenspiegel

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